Herzinfarktüberlebende können auch nach einem Vorfall eine Lebensversicherung abschließen. Entscheidend sind die individuellen Gesundheitsrisiken, die zu höheren Prämien führen können. Eine fachkundige Beratung ist unerlässlich, um die besten Konditionen zu finden und finanzielle Absicherung zu gewährleisten.
Die Realität der Risikoprüfung in der DACH-Region
In Deutschland unterliegt die Risikoprüfung strengen Vorgaben des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG), insbesondere der vorvertraglichen Anzeigepflicht nach § 19 VVG. In der Schweiz orientieren sich die Gesellschaften am VVG (Bundesgesetz über den Versicherungsvertrag). Für Herzinfarkt-Überlebende bedeutet dies: Transparenz ist Ihre stärkste Waffe.
Wartezeiten und der 'Stabilitäts-Zeitraum'
Die meisten Versicherer wie die Allianz, Munich Re oder Swiss Life verlangen in der Regel eine Wartezeit von 12 bis 24 Monaten nach dem Akutereignis, bevor ein Antrag überhaupt geprüft wird. Innerhalb dieser Zeit muss eine stabile gesundheitliche Phase ohne weitere Komplikationen nachgewiesen werden.
- Unter 6 Monate: Fast ausnahmslose Ablehnung für klassische Tarife.
- 6 bis 24 Monate: Prüfung möglich, oft mit hohen Risikozuschlägen (50% bis 200%).
- Nach 5 Jahren: Bei exzellenten Werten (LVEF > 50%) sind Normaltarife oder geringe Zuschläge realistisch.
Spezifische Anforderungen: Was die Versicherer sehen wollen
Um Ihre Versicherbarkeit zu bewerten, fordern Gesellschaften detaillierte ärztliche Berichte an. In Deutschland und der Schweiz sind folgende Parameter entscheidend:
1. Die Ejektionsfraktion (LVEF)
Dies ist der wichtigste Wert. Eine linksventrikuläre Auswurffraktion von über 50 % signalisiert dem Versicherer, dass das Herz trotz des Infarkts noch effizient pumpt.
2. Das Belastungs-EKG und Koronarangiographie
Ein aktuelles Belastungs-EKG ohne Ischämie-Anzeichen ist obligatorisch. Wurden Stents gesetzt? Wenn ja, wie viele und in welchen Gefäßen? Eine erfolgreiche Revascularisierung wird positiv bewertet.
3. Begleitfaktoren (Komorbiditäten)
Rauchen ist der 'Deal-Breaker'. Ein Herzinfarkt-Überlebender, der weiterhin raucht, wird in 95% der Fälle abgelehnt. Auch Diabetes und Bluthochdruck müssen medikamentös perfekt eingestellt sein.
Strategische Vorgehensweise: Die anonyme Voranfrage
Ein entscheidender Fehler ist der direkte Antrag. Wird dieser abgelehnt, landet der Eintrag in Deutschland im HIS (Hinweis- und Informationssystem der Versicherungswirtschaft). Nutzen Sie stattdessen eine anonyme Risikovoranfrage über einen spezialisierten Makler. So klopfen Sie die Annahmechancen bei Anbietern wie der Hannoverschen oder Helvetia ab, ohne eine Ablehnungs-Spur zu hinterlassen.
Alternative: Tarife ohne Gesundheitsfragen
Falls eine herkömmliche Risikolebensversicherung abgelehnt wird, bieten Sterbegeldversicherungen (vor allem in Deutschland beliebt) oder spezielle 'Dread Disease'-Versicherungen mit vereinfachter Prüfung eine Notlösung, wenngleich die Versicherungssummen hier oft auf 25.000 bis 50.000 Euro begrenzt sind.