Lebensversicherungen für psychisch Kranke stellen eine komplexe Herausforderung dar, erfordern aber keineswegs Ausschluss. Durch spezialisierte Tarife und transparente Offenlegung können viele Betroffene adäquaten Schutz erhalten, der ihren individuellen Bedürfnissen gerecht wird.
Die Realität am Versicherungsmarkt: Psychische Gesundheit als Risikofaktor
In der Risikoprüfung (Underwriting) von Versicherern wie der Allianz, Swiss Life oder Hannoversche rangieren psychische Erkrankungen weit oben auf der Liste der Risikoerhöhungen. Der Grund ist statistisch: Ein erhöhtes Berufsunfähigkeitsrisiko und im Extremfall eine höhere Suizidgefahr führen dazu, dass Anträge oft abgelehnt oder mit hohen Risikozuschlägen versehen werden.
Rechtliche Grundlagen: Die vorvertragliche Anzeigepflicht
In Deutschland regelt § 19 VVG (Versicherungsvertragsgesetz) die Anzeigepflicht. In der Schweiz ist es das Bundesgesetz über den Versicherungsvertrag (VVG/LCA). Sie sind verpflichtet, alle Fragen zu Vorerkrankungen – meist der letzten 5 bis 10 Jahre – wahrheitsgemäß zu beantworten. Wer hier schummelt, riskiert den Verlust des Versicherungsschutzes im Leistungsfall.
Strategien für den erfolgreichen Abschluss
- Anonyme Risikovoranfrage: Dies ist das wichtigste Werkzeug. Ein spezialisierter Makler fragt bei verschiedenen Versicherern an, ohne dass Ihr Name in einem zentralen Register (wie dem HIS in Deutschland) landet, falls Sie abgelehnt werden.
- Wartezeit-Modelle: Manche Anbieter in der Schweiz (Säule 3b) oder spezielle Sterbegeldversicherungen in Deutschland verzichten auf eine Gesundheitsprüfung, arbeiten dafür aber mit einer Wartezeit von 3 Jahren.
- Gruppenverträge: Über Berufsverbände oder große Arbeitgeber gibt es oft Verträge mit vereinfachter Gesundheitsprüfung, bei denen psychische Erkrankungen weniger streng gewichtet werden.
Unterschiede zwischen Deutschland und der Schweiz
In der Schweiz ist die Verbindung zwischen der gebundenen Vorsorge (Säule 3a) und der Lebensversicherung sehr eng. Versicherer wie AXA Winterthur prüfen hier streng, bieten aber oft flexiblere Lösungen bei teilweiser Genesung an. In Deutschland liegt der Fokus oft auf der reinen Risikolebensversicherung zur Absicherung von Immobilienkrediten.
Tipps vom Underwriter: So bereiten Sie sich vor
- Atteste einholen: Lassen Sie sich von Ihrem Therapeuten bescheinigen, dass Sie stabil sind und die Behandlung erfolgreich verläuft.
- Ursachen klären: War die Depression eine Reaktion auf ein einmaliges Lebensereignis (z.B. Trauerfall)? Versicherer bewerten dies milder als chronische Erkrankungen.
- Die 'Symptomfreie Zeit': Je länger die letzte Therapie zurückliegt, desto höher sind Ihre Chancen auf normale Konditionen.