Lebensversicherungen für stark Übergewichtige sind komplex, aber machbar. Mit Transparenz bezüglich Gesundheitszustand und gezielter Anbieterwahl lassen sich adäquate Lösungen finden. Eine frühzeitige Beratung ist entscheidend für optimale Konditionen und umfassenden Schutz.
Die Risikoprüfung: Wie Versicherer Ihren BMI bewerten
In Deutschland und der Schweiz nutzen Versicherungsgesellschaften den BMI als primären Indikator für das Gesundheitsrisiko. Ab einem BMI von 30 (Adipositas Grad I) beginnen die meisten Gesellschaften mit sogenannten Risikozuschlägen. In der Schweiz unterliegen diese Prüfungen den strengen Richtlinien der FINMA, während in Deutschland das VVG (Versicherungsvertragsgesetz) den Rahmen bildet.
BMI-Grenzen und ihre Auswirkungen
- BMI 25-29 (Übergewicht): Meist ohne Zuschläge bei normalen Blutdruckwerten möglich.
- BMI 30-34 (Adipositas Grad I): Risikozuschläge von 25% bis 50% sind marktüblich.
- BMI 35-39 (Adipositas Grad II): Hier verlangen Anbieter oft zusätzliche ärztliche Berichte (Zuckerwerte, Herz-Kreislauf).
- BMI über 40: Eine Ablehnung im Standardtarif ist wahrscheinlich, alternative Konzepte werden notwendig.
Strategien für Antragsteller in der DACH-Region
Um eine Ablehnung zu vermeiden, die in der HIS-Wagnisdatei (Deutschland) oder internen Systemen der Schweizer Versicherer vermerkt werden könnte, ist das Vorgehen entscheidend.
1. Die anonyme Risikovoranfrage
Dies ist das mächtigste Werkzeug. Ein spezialisierter Makler sendet Ihre Daten (anonymisiert) an verschiedene Gesellschaften wie Hannoversche, Europa oder Swiss Life. Sie erhalten ein verbindliches Votum, ohne bei einer Ablehnung Ihre zukünftige Versicherbarkeit zu gefährden.
2. Differenzierung zwischen BU und Todesfallschutz
Oft ist eine Risikolebensversicherung (Todesfallschutz) trotz Übergewicht leichter zu bekommen als eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU). Wenn Ihr BMI sehr hoch ist, konzentrieren Sie sich zunächst auf die Absicherung Ihrer Familie oder Ihres Immobiliendarlehens.
3. Tarife mit vereinfachter Gesundheitsprüfung
In Deutschland bieten Versicherer wie Aktion Mensch oder spezielle Bank-Kooperationen (z.B. bei Immobilienfinanzierungen) zeitweise Aktionen mit verkürzten Gesundheitsfragen an. Hier wird oft nur nach 'schweren Erkrankungen' gefragt, wobei der BMI manchmal gar nicht explizit abgefragt wird – solange keine Folgeerkrankungen vorliegen.
Rechtliche Besonderheiten in der Schweiz vs. Deutschland
In der Schweiz ist die Säule 3a ein wichtiger Faktor. Eine Lebensversicherung im Rahmen der gebundenen Vorsorge kann steuerliche Vorteile bieten, die die Risikozuschläge teilweise kompensieren. In Deutschland hingegen ist die steuerliche Absetzbarkeit der Risikolebensversicherung begrenzt, weshalb hier der Fokus rein auf der Prämienoptimierung liegen sollte.
Der 'Nachschau'-Joker
Wussten Sie, dass Sie bei vielen Verträgen das Recht auf eine Nachprüfung haben? Wenn Sie nach Vertragsschluss signifikant an Gewicht verlieren (und dies über 12 Monate halten), können Sie eine Herabsetzung des Risikozuschlags beantragen. Dokumentieren Sie Ihren Fortschritt professionell.